Stillen: Der wahre Horror beginnt erst jetzt

Meine Erfahrungen mit Stillproblemen

Nun geht es weiter mit den Schilderungen meiner Stillproblemen. In den vorherigen Artikeln habe ich ausführlich von der Geburt, der Zeit im Krankenhaus und von meinem Wochenbett berichtet.

In der Zeit des Wochenbettes konnte ich mich nicht auf die Heilung des Kaiserschnitts konzentrieren und auf die veränderte Situation, sondern musste auch mit massiven Stillproblemen zurechtkommen. Diese Zeit war emotional und körperlich extrem belastend. Tägliche Schmerzen, und stundenlange Behandlung dieser. Der Weg zum schmerzfreien Stillen war für mich die pure Hölle und stellte alles Vorherige weit in den Schatten. Erfahrt nun, was ich erlebt habe und wie ich es schaffte schmerzfrei zu stillen.

Auch hier wieder der Hinweis: Es handelt sich um meine eigenen persönlichen Erlebnisse, die sich stark von anderen unterscheiden können. Ich hatte übrigens eine Hebamme, doch als diese einschritt war es bereits zu spät.

Da ich mich für das Stillen entschied und nicht fürs Fläschchen geben, wurde ich mit weiteren körperlichen Veränderungen konfrontiert.

 

Milcheinschuss

Nach der Geburt entsteht der Milcheinschuss. Davor produziert euer Körper zunächst nur die Vormilch, die für euer Baby erst einmal ausreicht, da der Magen der Babys noch sehr klein ist. Ca. 3 Tage nach der Geburt produziert euer Körper Muttermilch und die Milch schießt in eure Brüste ein. Eine Tortur bei vielen Frauen. Der Beginn einer möglichen sehr harten Zeit, wenn ihr KEINE gute Stillberaterin an eurer Seite habt. Leider war das bei mir der Fall. Von Anbeginn wurde ich im Krankenhaus nur zwischen Tür und Angel über das Stillen aufgeklärt. Da ich niemals nie davon ausging, dass Stillen sooo schwer sein kann, kümmerte ich mich auch nicht im Vorfeld um eine gute Stillberaterin. Ein fataler Fehler, der mir teuer zu stehen kam!

 

Was mit meinen Brüsten passierte

Die Milch schoss ein und meine Brüste wurden immer härter und größer. So groß und hart, dass ich dachte, sie platzen. Das verursachte Schmerzen, die stündlich immer mehr zunahmen. Wenn ich das Adjektiv „hart“ verwende, meine ich hart. So richtig hart. Meine Brüste, die eigentlich schön weich sind verwandelten sich in steinharte Klötze. Ich konnte sie kaum anfassen ohne Schmerzen zu haben, auch seitlich liegen war keine Möglichkeit. Bei vielen Frauen ist der Milcheinschuss sanfter und nicht mit so einer Tortur verbunden. Nehmt mich bitte nicht als Beispiel. Es gibt auch zig andere Erlebnisse. Doch mein Stillerlebnis mit allem was dazu gehört, war für mich der reinste Horror.

Die Geburt war an einem Montag .Dienstags Abend/Mittwoch früh merkte ich zum ersten Mal, dass meine Brüste langsam hart wurden. Mittwoch am frühen Abend musste ich bereits im Krankenhaus abpumpen. Innerhalb kürzester Zeit war das Fläschchen mit 50 ml Muttermilch von einer Brust gefüllt und das war noch nicht das Ende. So viel am Anfang! Donnerstags wurde ich entlassen und das war der Startschuss für eine extrem schmerzhafte Phase.

Kein BH passte mir mehr und ich war heilfroh, dass wir vorher Stillbhs gekauft hatten. Und zwar eine Nummer größer. Was übrigens nicht gereicht hat! Meine Brüste waren gigantisch! Voll, hart und prall. Mein kleines Baby konnte natürlich noch nicht so viel trinken, somit wurden meine Brüste anfangs nicht ganz entleert.

Das Anschwellen der Brüste und die extrem Härte waren die eine Sache, die andere Sache waren meine geschundenen Brustwarzen.

 

Falsches Anlegen des Kindes verursachte schmerzende Brustwarzen

Durch die flüchtige Stillberatung im Krankenhaus und meiner nicht guten Vorberatung aufs Stillen, weil ich nie gedacht hätte, dass es so Probleme bereiten könnte, legte ich meinen Sohn nach der Geburt falsch an meine Brust an. Das bedeutet, dass er meine Brustwarze nicht weit genug in seinen Mund sog. Dadurch saugte er falsch und kaute mit seinen Kauleisten auf meinen Brustwarzen herum. Da ein Baby kurz nach der Geburt ständig an die Brust will und man es auch häufig Anlegen muss um die Milchproduktion anzuregen, sind die Brustwarzen einer ständigen Belastung ausgesetzt. Das führte dazu, dass meine Brustwarzen in wenigen Tagen extrem wund waren. Mit wund meine ich:

  • knallrot
  • wund gesaugt
  • offen
  • blutig

Das Stillen verursachte unfassbare Schmerzen. Vor jedem Anlegen hatte ich schon fast Tränen in den Augen. Mein ganzer Körper zuckte beim ersten Saugen völlig zusammen. Das Stillen wurde von Anlegen zu Anlegen unerträglicher.

 

Milchstau

Mein Baby war erst wenige Tage alt und konnte selbstverständlich noch nicht so viel trinken. Sein Magen war winzig und nicht für solche Milchmengen gemacht, die meine Brüste, zu meinem Leid, fröhlich produzierten. Das führte dazu, dass ich einen Milchstau bekam. Das bedeutet, dass meine Brüste massiv hart wurden und wahnsinnig schmerzten. So ein Milchstau kann in der Tat sehr gefährlich werden. Wenn bei so etwas nicht früh genug gehandelt wird, kann man als Frau schnell wieder im Krankenhaus landen. Vor allem ältere Frauen können davon ein Lied singen. In unserer Familie erzählen uns die Omas noch häufig von ihren Erlebnissen. Solltet ihr einen Milchstau befürchten, informiert eure Hebamme, damit sie rechtzeitig handeln kann, damit der Milchstau nicht gefährlich wird!!!

Die Babys müssen erst einmal lernen richtig zu saugen und zu trinken. Das geht auch nicht von heute auf morgen. Daher ist es schon fast normal, dass viele Babys kurz nach der Geburt an Gewicht verlieren und sie etwas Zeit brauchen, bis sie dieses wieder drauf haben. Nach 10 Tagen sollten sie ihr Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Zudem ist es häufig so, dass Babys am Anfang noch trinkfaul sind und beim Stillen oft einschlafen. Wir hatten so einen kleinen Kandidaten. Kaum an meiner Brust angelegt, schlief er nach wenigem Saugen sofort ein. Als hätte ich Narkosemittel in meinen Brüsten 😉 Mein Mann half immer fleißig mit den kleinen Mann wachzuhalten. Wir kitzelten ihn an den Füßen, an seinen Öhrchen und zogen ihn etwas aus. Ihn wach zu halten war knallharte Arbeit. Stillen wurde zum Teamwork. Mein Mann, ich und unser Baby. Fakt war einfach, die Milch muss aus meinen Brüsten, bevor sie sich entzünden. Als taten wir alles, damit der Kleine trank. Doch wie gesagt, produzierten meinen Brüste einfach enorm viel Milch. Tipps, was ihr tun könnt um die Milch abfließen zu lassen, erfahrt ihr im folgenden Artikel: Milchpulver oder Muttermilch? – 10 unverzichtbare Tipps bei Stillproblemen.

 

Stillhütchen – Das Ende des Stillens (Samstags)

Meine Brustwarzen waren wie schon beschrieben extrem wund. Ich konnte mein Baby kaum noch Anlegen ohne das Gefühl zu haben mich würde jemand an dieser empfindlichen Körperstelle malträtieren. Nach einer Internetrecherche und Tipps von Bekannten kauften wir Stillhütchen. Das sind Silikonauflagen, die aussehen wie Hüte für Brustwarzen. Wie der Name schon sagt. Sie sollen die Brustwarzen schonen und das Stillen schmerzfreier gestalten. Ich setzte all meine Hoffnung darauf, weil ich schlichtweg nicht mehr konnte. Ich hatte noch Schmerzen von dem Kaiserschnitt und nun auch noch massive Schmerzen an meinen Brüsten. Ich bin vor Schmerzen fast wahnsinnig geworden.

Doch die rettenden Stillhütchen sollten dafür sorgen, dass ich mich gegen das Stillen entschied.

Wer blutige Details nicht ertragen kann, springt bitte weiter zum nächsten Abschnitt und überspringt den jetzigen.

Da kam mein Mann also mit den Stillhütchen nachhause. Voller Freude und Hoffnung legte ich sie mir für das nächste Stillen bereit. Meine Brustwarzen waren mittlerweile so wund und rot, dass ich nicht einmal mehr dünnen Stoff auf ihnen ertrag. Ich musste immer Stilleinlagen verwenden, weil ich sonst vor Schmerzen wahnsinnig geworden wäre. Mein kleiner Sohn schrie und somit war das Zeichen für das nächste Stillen da.

Ich legte meine Brust frei, befeuchtete etwas den Brustwarzenhof und die Haut damit das Hütchen gut sitzen konnte. Das Stillhütchen setzte ich auf meine Brustwarze und legte meinen Sohn an. Er saugte.

 

Das Stillen fand sein Ende

O H  G O T T   I M   H I M M E L!!!!!!

Mein Körper verkrampfte schlagartig. Ich konnte vor Schmerz kaum sprechen. Ich schrie und zog und meinen Sohn mit aller Gewalt von mir. Mein Mann nahm mir das Baby sofort ab und setzte sich erschrocken neben mich. Ich blickte auf meine Brustwarze, die noch umhüllt war von dem Stillhütchen herunter und erschrak. Im gesamten Hütchen hatte sich Blut angesammelt. Angst durchfuhr mein Körper. Alles tat weh. Unfassbar weh. Langsam und ganz behutsam nahm ich das Stillhütchen ab und nun sollte es noch viel schlimmer werden.

Das Stillhütchen war gefüllt mit Blut. Meine Brustwarze war voller Blut. In dem Stillhütchen entstand durch das Saugen ein Sog und da ich eine offene Wunde hatte, wurde diese extrem belastet.

Ich nahm ein Taschentuch und tupfte ganz vorsichtig unter Tränen das Blut weg. Als ich das Taschentuch direkt auf meine Brustwarze tupfte, blieb mir fast mein Herz stehen. Denn beim hochziehen des Taschentuchs zeigte sich, dass Gewebe aus der Brustwarze trat. In Fäden hang es am Taschentuch.

Ein Anblick, den ich NIEMALS in meinem Leben vergessen werde.

Mein Mann versuchte mich zu beruhigen und sagte immer wieder, dass ich nicht stillen muss und dass wir eine Lösung finden werden.

Ca. zwei Stunden später gingen wir ins Bett und mein kleines Baby wurde langsam wach und wollte noch einmal trinken. Der kleine Mann weinte und bekam ein schlechtes Gewissen, weil ihn die Brust auch so beruhigt. Ich muss dazu sagen, dass viele Frauen kurz nach der Geburt extrem sensibel sind und eine völlige Fixierung auf das Kind besteht. Das ist vermutlich auch eine Erklärung, weshalb ich trotz des schlimmen und sehr schmerzhaften Erlebnisses, es noch einmal wagte.

Ich entschied mich weiter zu stillen und setzte das Stillhütchen noch einmal auf die andere Brust rauf. Beim ersten Saugen sollte ich einen Schmerz spüren, der alles vorherige in meinem Leben toppte. Alles. ALLES. Ich war in den ersten Sekunden starr vor Schmerz. Mein Mann nahm wieder sofort unseren Sohn und ich schrie und weinte nur noch. Ich glaube, ich hab das letzte Mal als Kind so sehr geweint – vor Schmerzen. Ich konnte mich kaum bewegen, weil der Schmerz durch meinen ganzen Körper fuhr. Ich wollte sofort das Stillhütchen abnehmen, doch zu meinem Erschrecken ging das nicht. Es hatte sich so ein starker Sog gebildet, dass das Stillhütchen festzukleben schien. Mein Mann legte unseren Sohn zur Seite und half mir. Gemeinsam entfernten wir das Stillhütchen und der Anblick meiner Brustwarze war diesmal noch schlimmer. Noch mehr Blut und noch mehr Gewebe was ich mit einem Taschentuch abtupfte. Da war es vorbei. Stillen war für mich Geschichte. Ich war regelrecht traumatisiert und fix und fertig mit meinen Nerven.

Nun hatte ich also extrem wunde Brustwarzen, die fürchterlich schmerzten, Brüste, die so hart waren wie Klötze, die ebenfalls schmerzten und einen Kaiserschnitt hinter mir, dessen Narbe auch noch schmerzte. Ich war ein Wrack. So fühlte ich mich. Und es war kein Ende in Sicht.

Fakt war zunächst, dass ich nicht mehr Stillen werde. Ich wollte nur noch abpumpen.

 

Milchhandpumpe

Im Vorfeld hatten wir uns auf Rat von Freunden eine Milchhandpumpe zugelegt. Diese nutzte ich schon einen Tag vor der Katastrophe mit den Stillhütchen und somit hatten wir noch ein paar Gläser abgefüllte Muttermilch im Kühlschrank. Unsere Rettung! Denn somit konnte ich unseren Sohn schmerzfrei Muttermilch geben. Wir hatten allerdings auch im Vorfeld Ersatznahrung gekauft, falls irgendwas passiert und ich ihm keine Muttermilch gebe kann. Sie sollte einfach nur als Sicherheit dienen.

Das Abpumpen der Muttermilch durch die Milchpumpe war mühsam. Ich pumpte pro Brust nach wenigen Tagen nach der Geburt schon ca. 80-100ml ab. Auf der einen Seite bedeutete dies, dass meine Brust nur durch die Handpumpe einigermaßen leer wurde, da mein Kind gar nicht so viel trinken konnte und zum anderen das wir genug Vorrat aufbauen konnten. Doch meine Brust wurde immer voller und voller. Die Milch kam irgendwann nicht mehr richtig heraus. So staute sich die Milch und meine Brüste waren regelrechte Betonklötze. Kaum hatte ich eine Brust entleert wurde sie nach kurzer Zeit wieder voll. Es war zum Verrückt werden. In der Nacht von Samstag zu Sonntag war es besonders schlimm. Von der Hebamme bekamen wir den Tipp, dass ich warme Wickel machen sollte und nach dem Abpumpen unbedingt kühlen müsste. So lag ich nun im Bett, mein Mann bereitete heiße Wickel und Kirschkernkissen vor und ich erwärmte damit meine Brüste, damit die Milch besser heraus fließen konnte. Danach setzte ich die Pumpe an und pumpte was das Zeug hielt. Sobald meine Brüste weicher wurden kühlte ich sie. Diesen Prozess, der jedes Mal eine gute Stunde bis 1.5 Stunden dauerte, da ich nur eine Brust jeweils bearbeiten konnte, musste ich alle 2 Stunden wiederholen. Mein Mann half mir dabei und verzichtete ebenfalls auf Schlaf und Erholung. Es war eine Tortur. Nervlich wie körperlich. Vor allem nachts. Ich war nur noch fix und fertig. Da das per Hand abpumpen keine wirkliche Alternative darstellte, versuchten wir sonntags eine elektronische Milchpumpe zu organisieren. Wir telefonierten  ALLE Apotheken im Umkreis ab. Es waren unzählige. Alle bist auf eine hatten ihre Pumpen bereits verliehen. Wir bekamen ein uraltes Ding. Im Laufe des Tages schaute noch unsere Hebamme vorbei und brachte frische Salbeiblätter mit. Die kochten wir auf und ich trank davon zwei Tassen Tee, damit die Milch reduziert wird (Salbei hat abstillende Eigenschaften). Zudem machten wir daraus weitere heiße Wickel.

 

Elektronisches Milchpumpe – Ich hörte die Engel singen

Die ausgeliehene uralte Milchpumpe sollte sich beim ersten Mal als pures Glücksgefühl herausstellen.

Ihr müsst euch das vorstellen. Ich bin gerade frisch Mama geworden. Die Eindrücke von der Geburt. Die Eindrücke vom Kind. Die Eindrücke nicht mehr schwanger zu sein. Alles führte zu einem positiven Gefühlschaos. Dazu kam jedoch Schmerzen vom Kaiserschnitt und Höllenqualen durch das Stillen. Ich hatte das Gefühl mich macht nur noch Schmerz aus. Von Kopf bis Fuß. Das Abpumpen mit der Milchpumpe verschaffte zwar etwas Erlösung, aber nur grob, weil der Aufwand einfach sehr hoch war. Nun hatten wir die elektronische Milchpumpe und beim ersten Abpumpen entstand eine riesen Erleichterung. Ich hätte vor Freude weinen können. Das Abpumpen war ein Kinderspiel. In null Komma nichts war die Milch draußen und meine Brust war viel schnell wieder weicher. Denn mit der Handmilchpumpe habe ich die Brust nie ganz entleeren können, irgendwo waren immer noch mal harte steinharte Stellen. Nun war es wirklich viel leichter. Doch trotzdem musste dies noch alle zwei Stunden passieren, weil meine Brüste sonst viel zu voll waren. Doch die Freude hielt nicht lange, da dieses uralte Ding nach einem Tag kaputt war. Doch zum Glück unterstützte mich meine Frauenärztin und stellte mir ein Rezept aus. So bekamen wir eine nagelneue Milchpumpe MIT ZWEI AUFSÄTZEN! Das bedeutete, dass ich beide Brüste GLEICHZEITIG abpumpen konnte. So wurde von dem extrem aufwendigen Behandeln, von guten 1.5 Stunden, meiner Brüste  vor der elektrischen Milchpumpe eine Prozedur von nur noch 20 Minuten! Das war das erste Mal nach der Geburt, dass ich richtige Erleichterung spürte. Meine Brüste wurden viel besser entleert und die harten Stellen konnten super aufgelöst werden. Es war ein göttlicher Moment … hahaha … ich war so glücklich, dass ich fast Engel singen hörte. Manche Mütter mit Stillproblemen samt Milchstau können mich wohl verstehen … hahaha.

Doch auch hier gab es einen Haken. Da dies alle zwei Stunden passieren musste, auch nachts, habe ich wochenlang nicht mehr als 2 Stunden am Stück geschlafen. Ich war völlig übermüde und emotional sehr dünn besaitet. Ich musste dafür jedes Mal aufstehen, die Pumpe ansetzen, festhalten und warten, danach in Flaschen abfüllen , alles reinigen und meinem Kind das Fläschchen geben. Danach konnte ich mich wieder schlafen legen. Eine Prozedur, die mich an meine Grenzen brachte, in jeder Hinsicht. Wir kauften nach zwei Wochen ein Bustier, worin man die Flaschenaufsätze von der Pumpe befestigen konnte. So hatte ich freie Hände und musste die Flaschen nicht mehr halten. Das war ebenfalls eine gute Hilfe, doch leider machte das den restlichen Aufwand nicht wirklich erträglicher.  Die Belastung war außerordentlich hoch, doch ich hatte so eine panische Angst vor den Schmerzen beim Stillen, dass das für mich zu keiner Zeit mehr eine Alternative darstellte. Ich hatte ein regelrechtes Trauma. Meinen Charakter zeichnet aus, dass ich viel aushalte. Ich bin hart im Nehmen. So einiges ist schon in meinem Leben passiert, was starke Schmerzen verursachte. Doch das war eine Hausnummer, was alles zuvor erlebte UM WELTEN TOPPTE!!!

So ging es einige Wochen. Enormer Schlafmangel, Schmerzen, neue Rolle als Mutter, neue Familienkonstellation. Ein Cocktail, der zu fiesen Spannungen und Gefühlsausbrüchen führen kann. Doch zum Glück haben mein Mann und ich diese Zeit gut gemeistert. Wir haben uns zwar ab und zu angezickt, aber ansonsten haben wir zusammengehalten und mein Mann hat mich großartig unterstützt.

 

Abstillen

Die Alternative zum Abstillen stand immer wieder im Raum. Selbst meine Hebamme riet mir dazu, weil sie ebenfalls fand, dass die Belastung und doch noch häufiger auftretender Milchstau zu hoch für mich wären. Ich überlegte ständig hin und her. Für mich war es von sehr hoher Bedeutung, dass mein Baby Muttermilch bekommt, da ich diese für eine fantastische natürliche Nahrung halte. Mein Körper produziert auf natürliche Art und Weise Milch, die meinem Baby alles gibt, was es die ersten Monate benötigt. Doch der Aufwand abzupumpen war nur noch eine enorme Belastung, der ich kaum noch standhielt.

 

Repeat: Auf ein Neues

Diese Fakten, viele Tipps und viele gelesene Stillberichte später, führten dazu, dass ich es noch einmal probierte. Der Vorgang des Stillens und bis der Körper sich daran gewöhnt hat, kann gerne mal bis zu 8 Wochen dauern. Dessen machte ich mir bewusst und nach ca. 4 ergangenen Wochen probierte ich es noch einmal. Unfassbar, ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich mich, nachdem was passiert ist, noch einmal dazu überwinden würde.

Als ich mit dem Gedanken spielte, es noch einmal zu versuchen, setzte ich voraus, dass ich entspannt sein muss und allein. So, dass kein Druck da wäre. Wenn es nicht klappe sollte, klappt es eben nicht.

Der Moment kam und ich nahm mein Baby und legte es ganz vorsichtig an meine Brust. Ich fasste meine Brust zwischen Daumen und Zeigefinger, presste sie sanft zusammen und führte mein Baby so zur Brustwarze, dass es sie gut einsaugen konnte. Und???

Auuaaaa.

Doch ein Aua war besser als „OH GOTT ICH STERBE“.

Es tat noch weh, aber nicht mehr so unfassbar schlimm, wie am Anfang. Meine Brustwarzen waren diesmal auch gut verheilt. Nachdem er die Milch angesaugt hatte, was in der Anfangsphase oft sehr weh tut, vorbei war, war es absolut erträglich. Er konnte super trinken und ich musste nur wenig korrigieren. Meine Brustwarte verschwand ganz in seinem Mund. Es war wie nach einer Bilderbuchanleitung. Ich war so überrascht und überwältigt, dass ich dem Versuch noch nicht ganz vertrauen konnte. So kam es, dass ich doch noch weiter abpumpte, aber mein Baby immer mal wieder anlegte. Langsam, ganz langsam klappte es immer besser. Die Schmerzen ließen laaangsam nach und meine Brustwarten wurden nicht mehr wund!!! Ich konnte immer mal wieder eine Abpumpsession auslassen. Vor allem nachts war das eine wahnsinnige Erholung! Nach einiger Zeit war ich sogar so weit, dass ich die Pumpe gar nicht mehr benutzte. Mit der Zeit verschwand auch der Schmerz, der anfangs durch das Ansaugen der Milch entstand.

Ich konnte stillen. Ohne Schmerzen. Ich war überwältigt und bin es immer noch. Ich hätte nie nie nie für möglich gehalten, dass diese Höllenschmerzen verschwinden und das Stillen zu so etwas entspanntem wird. Zum anderen hätte ich nicht gedacht, dass ich den Mut aufbringe es noch einmal zu versuchen. Mit der Gefahr, dass es noch einmal so schlimme Schmerzen verursachen würde. Ich weiß, ich bin mutig und trau mich schon viel, doch das war eine Erfahrung und Überwindung, die meine Grenzen noch einmal ein gaaanzes Stück weiter gesteckt hat.

Nicht jede Mutter macht so eine Tortur mit! Zum Glück 🙂

Viele warnen davor, dass das Kind durch den Mix aus Brust und Flasche eine Saugverwirrung entwickelt und verlernt richtig an der Brust zu saugen. Denn Milch aus der Flasche isst natürlich wesentlich einfacher anzusaugen als aus der Brust. Doch bei uns war das zum Glück zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Mein kleines Baby hat es kein Stück verwirrt.

Ich will an dieser Stelle ganz deutlich betonen, dass unser Baby niemals ein Problem darstellte. Wir haben wirklich Glück und haben wohl ein Einsteigermodell geschenkt bekommen 😉 Das einzige was wirklich eine große Herausforderung und enorme Belastung nach der Geburt gewesen ist, waren die Stillprobleme. Hinzukamen noch die flüchtigen oberflächlichen Tipps. Wir mussten uns viel selbst anlesen und beibringen.

 

FRAGE AN EUCH:

Erzählt mir doch mal, wie eure Erfahrungen mit dem Stillen waren? Habt ihr von Anfang fürs Fläschchen geben entschieden oder habt ihr das Stillen probiert? Hattet ihr Probleme beim Stillen? Erzählt einfach mal, ich bin sehr interessiert 🙂 Gerne könnt ihr mir diese auf verschiedenem Wege mitteilen. Z. B. via E-Mail jessica@vchangemakers.de

Im nächsten Artikel berichte ich euch, weshalb ich mich gegen Milchpulver also Ersatznahrung entschied und welche Tipps bei meinen Stillproblemen unentbehrlich waren!

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