(Meine) Partnerwahl: Muss der Partner vegan sein?

Veganer auf Partnersuche: Vegan oder nicht-vegan, das ist hier die Frage.

Allein sein möchte niemand wirklich, zumindest nicht auf Dauer. Allein sein bedeutet zwar nicht unbedingt auch einsam zu sein, doch einen liebevollen Partner an der Seite zu haben, bereichert das Leben enorm. Nun stellt sich aber bei vegan lebenden Menschen bei der Partnerwahl oft die Frage, ob dieser nun auch vegan sein muss oder eben nicht. Führt eine unvegane Lebensweise bei der Partnerwahl zum Ausschlusskriterium? Heute berichte ich, wie es bei mir ist und wie meine Ansichten zu diesem Thema aussehen.

 

Meine Geschichte: Warum ich mich als Veganerin dazu entschloss, doch unvegane Männer zu daten und wohin dies führte

Ich lebe nun seit über 10 Jahren vegan. Eine lange Zeit. Sehr lange Zeit. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Wendepunkt als ich mich Anfang Januar 2009 dazu entschlossen habe vegan zu ernähren. Damals war ich schon einige Zeit Single gewesen und mir war direkt klar, dass mein zukünftiger Partner auch vegan sein muss. Muss! Darunter ging gar nichts.

Nun stellt euch allerdings die vegane Szene vor über 10 Jahren vor. Ich kann euch sagen, es war schlimm. Optisch entsprachen die meisten Veganer sämtlichen Vorurteilen. Zottelige Haare, Hippie und im Leinenhemd, gerne auch barfuß unterwegs und spirituell in einer ganz anderen Welt. Etwas überspitzt formuliert, das gebe ich zu. Doch als Frau, die weder zottelige Haare hat, noch gern ein Hippie ist und auch nicht unbedingt im Leinenhemd herumspaziert, war meine damalige Partnersuche eine Katastrophe. Jaaa, eine Katastrophe. Diese glich der ewigen Wüste, wo lang und breit die Hoffnung dahin siebte jemals einen veganen Partner zu finden. Diese Art von Männern, die damals vegan lebten und mit denen ich in Kontakt kam, entsprachen kein Stück meinen Vorstellungen. Innere Werte hin oder her. Damals gab es noch die Veggiecommunity, eine Art (Single-)Plattform, auf der man mit anderen vegan Interessierten in Kontakt treten konnte. Nun ja, wenn mal jemand auch nur Ansatzweise in mein Schema passte, wohnte dieser gleich am Ender der Welt. Ihr könnt euch vorstellen, wie frustrierend das war. Ich wollte ja nun nicht ewig Single bleiben.

So verging einige Zeit, viele Monate. Ich tingelte von veganen Events zu Events und traf einfach niemanden, der mein Herz höher schlugen ließ. Nach dieser Zeit horchte ich in mich hinein und begann meinen Blickwinkel zu ändern. Und zwar machte ich mir bewusst, dass wir alle bzw. die meisten nicht vegan zur Welt kommen. Auch bei mir war es eine Weiterentwicklung, die über mehrere Jahre ging, denn ich lebte auch lange Zeit „nur“ vegetarisch.

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Vegan zu leben ist nicht nur eine Ernährungsweise, sondern so viel mehr. Wenn du einmal beginnst zu begreifen, das 1. tatsächlich so unfassbares Leid existiert und 2. dass man unwissentlich (damals zumindest noch) so viele Jahre daran teilgenommen hat, ändert sich dein Blickwinkel und deine Empfindungen enorm. Für mich war es damals wie ein Schock als ich erfuhr, was in der Tierindustrie abging. Mir war sofort klar, dass das nichts ist, woran ich mich auch nur im Ansatz beteiligen wollte. Tja, doch so sahen und sehen es nicht viele. Viele glauben bis heute nicht, dass es so grausam in der Tierindustrie vorgeht. Für mich war es so schlimm, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, wie andere nicht das gleiche empfinden konnten und sofort oder auf lange Frist ihr Verhalten änderten. Bis heute kann ich nicht verstehen, wie diese Tatsachen ein Herz nicht berühren können. Somit konnte ich mir damals auch nicht vorstellen einen Partner an meiner Seite zu haben, den diese Fakten, diese Videos, diese Bilder, diese Wahrheit kalt lässt. Ich wollte auf gar keinen Fall so einen (kalten) Menschen an meiner Seite haben.

Doch mit der Zeit begriff ich, dass jeder Mensch sich in seinem eigenen Tempo entwickelt und somit beschloss ich, Menschen eine Chance zur Veränderung zu geben. Eventuell würde mein Hinweis auf diese Missstände bei anderen etwas auslösen. Einen Prozess zum Umdenken. Somit wurde ich offener und auch wieder zugänglicher für nicht vegan lebende Partner. Denn wenn es so weiter gegangen wäre … oh je, ich will nicht einmal daran denken. Ich wäre wohl irgendwann sehr frustriert und verzweifelt gewesen … und vor allem einsam.  

Also Back to the Roots und somit wieder offen für nicht-vegane Männer sein. Klar war jedoch, dass ich niemals mit jemandem zusammen sein konnte, dem Tierquälerei bzw. dieses unvorstellbare Leid völlig kalt lässt. Das stand fest. Felsenfest. Und so begann es.

Ich datete wieder Männer und bei den ersten Gesprächen kam natürlich schnell meine Ernährungsweise auf den Tisch. Zu meiner Überraschung schreckte es tatsächlich niemanden ab, sondern rief eher Interesse und Neugierde auf. Und somit öffnete sich eine neue Ebene, die viel produktiver in jeglicher Hinsicht war als mein direktes Ausschließen von unveganen Männern. So gab ich Menschen die Chance, ihren Horizont zu erweitern und war für viele der Auslöser umzudenken und sich mit dieser Thematik überhaupt zu beschäftigen. Natürlich führte ich dann im Laufe der Zeit einige Beziehungen – mit unveganen Männern. Alle waren komplett unterschiedlich, doch in einem waren alle identisch, sie akzeptierten meine Lebensweisen, waren offen vieles auszuprobieren und sich mit den Missständen auseinanderzusetzen. Und wisst ihr was? Nicht nur das, sie begannen oft vegane Produkte zu kaufen und sich zu informieren, was in vielen Produkten steckte. So hatte ich gewonnen und nicht nur ich, sondern auch sie selbst um ihre Ernährungs- und Lebensweise zu überdenken und natürlich auch die Tiere … sie hatten eine weitere Chance auf mehr vegane Menschen zu hoffen, die ihr Leid wahrnehmen und bereit sind es zu verhindern.

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Natürlich wurde nicht jeder meiner (Ex-)Partner vegan, doch sie kamen durch mich mit dieser Thematik in Berührung und haben Vorurteile abgelegt, Neues kennengelernt und ihren Blickwinkel und Herz für so etwas Wichtiges geöffnet.

Auch meinen jetzigen Mann lernte ich als Nicht-Veganer kennen. Doch was ist heute? Er ist derjenige, der bei Ausflügen und Urlauben sofort danach schaut, ob es vegane Restaurants in der Nähe gibt, mir vegane Leckereien von seinen Dienstreisen mitbringt und seine Ernährung in diesem Bereich sehr sehr verändert hat. Er isst zuhause fast nur vegan und kocht die leckersten veganen Currys und Chilis. Er war schon immer sehr naturverbunden und hatte ein Bewusstsein für die Umwelt. Er hatte keine bzw. nicht viele Kenntnisse der Missstände in dieser Branche und kannte auch viele vegane Alternativen nicht. Nun wirft er auf vieles einen ganz anderen Blick und hat durch meine Offenheit und Kompromissbereitschaft so viel dazu gelernt und vor allem kennengelernt. So haben wir beide gewonnen. Ich hätte nicht viel davon gehabt, wenn ich bei meiner vorherigen Einstellung geblieben wäre keine unveganen Männer zu daten. Nun sind wir seit über 4 Jahren ein Paar und mittlerweile verheiratet und Eltern. Er hat seine Vorurteile abgelegt, so dass er meine vegane Schwangerschaft anstandslos akzeptierte und mir auch die vegane Beikost unseres Kindes überließ.

 

Was ich euch mit auf den Weg geben möchte

Mit meiner Geschichte möchte ich auch zeigen, dass ihr mehr davon habt, wenn ihr Leute nicht gleich selektiert, die nicht zu 100% euren moralischen Vorstellungen entsprechen. Gibt ihnen eine Chance und weist sie zumindest auf die Missstände in unserer Gesellschaft hin und sensibilisiert sie für diese Thematik. Wenn sie nicht offen dafür sind, dann sortieren sie sich schon von selbst aus, bzw. schießen sich von selbst ganz weit, ganz ganz ganz weit ins Aus. Gebt ihnen die Chance, dass ihr ihnen die Augen öffnet. Davon haben wir alle mehr 🙂 Vielleicht überdenkt ihr eure Einstellungen. Kein Muss, jedoch eventuell eine Anregung 🙂 Denn wir kamen doch auch nicht direkt vegan auf die Welt, uns mussten auch erst die Augen geöffnet werden. Außerdem braucht doch jeder bei gewissen Themen einen anderen, der einen an die Hand nimmt und zeigt, wie es funktioniert.

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Kompromissbereitschaft in einer veganen – unveganen Beziehung

Geht Kompromisse ein, doch bleibt euren Werten treu. Wie ich schon erwähnte, war es mir besonders wichtig, dass mein (zukünftiger) Partner Tierquälerei bzw. Tierleid im Allgemeinen nicht toleriert, ignoriert oder verharmlost. Bei diesem Punkt gehe ich keinerlei Kompromisse ein bzw. weiche von meinen Werten ab. Wichtig war und ist mir, dass mein Partner auf seine Art und Weise und in seinem Tempo zeigt, dass er diese Problematiken ernst nimmt und bereit dazu ist, seinen Beitrag zu leisten, damit sich etwas ändert. Dazu gehörte vor allem meine Kompromissbereitschaft, dass ich es toleriere, dass er nicht zu 100% vegan lebt.

Denkt an folgenden Spruch:
„Wir brauche nicht einen der den Veganismus 100% perfekt umsetzt, sondern Millionen, die ihn unperfekt umsetzen.“Wir brauche nicht einen der den Veganismus 100% perfekt umsetzt, sondern Millionen, die ihn unperfekt umsetzen.

 

Doch jede Kompromissbereitschaft sollte auch seine Grenzen haben. Wenn ihr ständig diskutiert und einfach keinen gemeinsamen Nenner findet und somit kein Verständnis füreinander, dann ist natürlich die partnerschaftliche Basis gefährdet. Wenn man bei so einem Thema schon viel diskutieren muss, weil so viel Unverständnis herrscht, dann passt es wohl nicht in diesem Punkt. Da müsst ihr selbst entscheiden, ob ihr das könnt, wollt und überhaupt Sinn darin seht.

Denkt aber daran: Wir alle können uns gegenseitig positiv beeinflussen, unser Denken und Wissen erweitern und eine Stufe höher in unserer Entwicklung steigen. 🙂

Ich wünsche euch viel Glück für eure Beziehungen und Partnersuche <3

Mich interessieren eure Gedanken zu diesem Thema und vor allem eure Erfahrungen. Teilt sie gerne mit mir. Ich freue mich auf E-Mails: jessica@vchangemakers.de