Interview mit Tatjana: Eine vegane Mutter vertritt standhaft ihre Werte


„Bei Kontra würde ich allerdings standhaft bleiben, da Ernährung nun mal nicht das Fachgebiet eines Kinderarztes ist.“

Die Interviewreihe wird mit den Antworten von Tatjana fortgesetzt. Sie hat zwei vegane Schwangerschaften hinter sich und berichtet von Erfahrungen mit Ärzten und ihrem Umfeld. Ihr Tipp: Standhaft bleiben und zu seinen Überzeugungen stehen. Erfahrt nun mehr im Interview:

  1. Wie lange lebst du vegan? Was war dein Auslöser?
    Oktober 2012. Gestartet nach vegetarischer Zeit (ca. 6 Jahre) und damals zum Abnehmen mit „Vegan for fit“, allerdings merkte ich schnell, dass es mir um so vieles besser ging, wenn ich die letzten Tierprodukte noch außen vor lasse. Um die Ethik wusste ich ja eigentlich, doch die Gesundheit gab mir da echt den letzten Schubs.
  2. Du bist momentan schwanger und ernährst dich vegan. Hattest du zu Beginn der Schwangerschaft Bedenken, weil du dich vegan ernährst?
    Aktuell bin ich nicht schwanger, allerdings habe ich zwei vegan Schwangerschaften hinter mir, Kinder geboren 4/14 und 11/16 und Bedenken hatte ich wirklich nie. Was hätte mir auch fehlen sollen :D?
  3. Wie sind und waren die Reaktionen deines Umfelds auf diese Ernährungsweise? Falls du Kritik erhältst, wie gehst du damit um?
    Beim Großen gab es zu Beginn diese Anmerkungen „Machst du das jetzt immer noch vegan?“ „darf man das denn vegan?“ und so was. Ich bin in sowas sehr gerade raus, frage gern, was mir denn konkret fehlen sollte und weise darauf hin, dass ich um Nährstoffe tatsächlich sehr gut Bescheid weiß und meine Werte bei den Vorsorgen immer tipptopp waren. 

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    Foto: Michaela Rother

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    Foto: Michaela Rother

  4. War es schwer für dich vegan-freundliche Ärzte und Hebammen zu finden?
    Die Ärzte hab ich nie miteinbezogen. Gab für mich keinen Grund, etwas dazu zu sagen. Ich war nur zu den Ultraschalluntersuchungen beim Arzt, den Rest haben die Hebammen gemacht. Beim Großen waren die Hebammen dessen sehr zugewandt, die Nachsorge Hebamme lebt aufgrund von Unverträglichkeiten nahezu vegan (was ich erst während der geburtsvorbereitenden Akupunktur erfuhr) bei der Kleinen hatte ich sogar eine Hebamme zur Vorsorge, die selbst vegan war. Erfuhr ich auch so nebenbei. Die Nachsorgehebamme war interessiert, aber es war nie Thema. Sie meinte, solange es Kind und Mutter gut geht und die Werte stimmen, sei alles gut. Allerdings hatte sie einige Probleme mir Homöopathietipps zu geben, während die Hebamme des Großen sehr gut informiert in Sachen tierleidfreie Schwangerschaftsprodukte war. Somit hat die Hebamme sogar noch ein wenig von mir gelernt.
  5. Wie war bzw. sind die Reaktionen der Ärzte auf deine Ernährungsweise?
    Wissen sie nicht. Beim Großen am letzten Termin, da das Thema auf Milchsäure kam „ach, Sie leben vegan? Interessant, da hab ich neulich ne Reportage zu gesehen.“ mehr kam nicht.
  6. Hattest du während der Schwangerschaft Gelüste auf tierische Produkte? Falls ja, wie hast du das für dich interpretiert und was hast du dagegen unternommen?
    Nein, zu keiner Zeit.
  7. Besonders in der Schwangerschaft müssen Frauen darauf achten, die richtigen Nährstoffe zu sich zu nehmen. Viele supplementieren daher Schwangerschaftspräparate. Hast du diese genommen und worauf hast du noch besonders geachtet bzw. achtest du?
    Ich hatte ein Kombipräparat Folio und B12 und noch Jod glaub ich. Von Bjökovit. Vitamin D hab ich zusätzlich noch genommen. Eisen via Zuckerrohrmelasse in O-Saft.
  8. Hast bzw. Hattest du generell das Gefühl, dass dir was fehlt?
    Nein.
  9. Lebt dein Partner auch vegan? Falls nicht, wie reagierte er auf deinen Entschluss, den Veganismus auch in der Schwangerschaft fortzuführen.
    Er lebt auch vegan.
  10. Gab es Schwierigkeiten während der Schwangerschaft, weil du dich vegan ernährst?
    Nein.
  11. Was ist dein Tipp an vegan lebende Schwangere? Auf was sollen sie besonders achten?
    Gut belesen, Informationen sammeln, ein dickes Fell antrainieren und blöde Sprüche abprallen lassen. Des Weiteren würde ich nicht zwingend mit meiner Ernährungsweise hausieren gehen, ist mir zu viel Stress, die Energie kann ich besser positiv in die Schwangerschaft investieren.
  12. Was ist dein Rat an vegan lebende Schwangere, wenn das Umfeld ständig Diskussionen beginnt und Kritik äußert?
    Bücher und Studien zeigen, beruhigen, gern Kinder von vernetzten ebenso veganen Familien vorstellen, Blutwerte der Vorsorgen hab ich immer mal mitgeteilt und sonst um Raushalten gebeten. Ich weiß, was ich mache, ich weiß, dass alles gut ist und jemand, der sich damit nicht befasst, nicht.
  13. Falls dein Kind schon auf der Welt ist: Hattest du nach der Geburt Schwierigkeiten einen vegan-freundlichen Kinderarzt zu finden? Wie waren die Reaktionen und wie bist du damit umgegangen?
    Kinderarzt weiß es nicht, nur, wenn es tatsächlich mal ein Problem geben sollte, würde ich darüber reden. Bei Kontra würde ich allerdings standhaft bleiben, da Ernährung nun mal nicht das Fachgebiet eines Kinderarztes ist. 

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    Foto: Boris Seifert

  14. Wirst du dein Kind weiterhin vegan ernähren?
    Ja, definitiv.
  15. Wie sind deine Erfahrungen mit deinem Umfeld auf deine Entscheidung dein Kind vegan zu ernähren?
    Oftmals wird mir erzählt, ich würde meinem Kind meine Werte aufdrücken. Es kommt auch immer wieder der Einwand der
    Mangelernährung und des „was machst du denn später in Kindergarten, Schule und bei Geburtstagen?“
  16. Kannst du Vergleiche ziehen, indem du schon einmal eine unvegane Schwangerschaft vollzogen hast?
    Nein.

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Liebe Tatjana, toll, dass du am Interview teilgenommen hast! Klasse, dass du so überzeugt bist von deinen Werten und sie standhaft vertrittst! Alles Liebe für dich und deine kleine Familie 🙂

Hintergrundinformationen zur Interviewreihe gibt es im folgenden Artikel, dort erfährst du auch, wie du teilnehmen kannst, falls du ebenfalls schwanger bist oder Mutter und zudem vegan lebst. Ich freue mich auf euer Feedback und auf weitere Teilnehmerinnen! Lasst uns gemeinsam zeigen, dass vegan tatsächlich ohne Probleme in jeder Lebensphase möglich ist, so lange man sich ausgewogen und bewusst ernährt. 🙂

 

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Über V Change Makers

V Change Makers (VCM) ist eine Initiative, die mit Leichtigkeit aufzeigt, dass vegan leben keinen Verzicht bedeutet. VCM liefert praktische Alltagstipps, wertvolle Produktempfehlungen und zeigt einfache Lösungen auf, wie man den Veganismus ohne Probleme in den Alltag integriert. Geführt wird VCM von Jessica Aschhoff (geborene Schlechter). Die 33-jährige ist seit Jahren in der veganen Szene aktiv und leistet Aufklärungsarbeit. Ihr Ziel ist es, den Veganismus gesellschaftsfähig zu machen. Modern, zeitgemäß und aufgeschlossen.