Interview mit Annika: Eine dreifache vegane Mama berichtet von ihren Erfahrungen

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„Mein Tipp ist, sich gar nicht erst auf Diskussionen einzulassen bzw. klar zu machen, dass man bei dem Thema bedeutend informierter ist, als der Rest und die Diskussion damit beendet ist.“

Die Interviewreihe „Vegan leben während der Schwangerschaft“ setzt sich heute direkt fort. Heute steht mir Annika, dreifache vegane Mama, Rede und Antwort. Erfahrt nun mehr:

  1. Wie lange lebst du vegan? Was war dein Auslöser?
    Ich lebe vegan seit 3 Jahren. Vorher war ich schon lange Vegetarier. Durch das Stillen meiner Kinder wurde mir bewusst, dass Kühe eigentlich auch nur Mütter sind, die stillen würden. Das eigene Erleben der absolut engen Mutter-Kind-Bindung und der innigen Stillbeziehung, die Kühen verwehrt wird, hat dazu geführt. Das machte den Milchkonsum für mich unerträglich. Daraufhin habe ich mich intensiver mit der Nutztierhaltung beschäftigt und war schockiert, was dort abläuft. Für mich war die Entscheidung zum veganen Leben getroffen.
  2. Du bist momentan schwanger und ernährst dich vegan. Hattest du zu Beginn der Schwangerschaft Bedenken, weil du dich vegan ernährst?
    Ich hatte zu Beginn der Schwangerschaft Bedenken, gerade, weil man so viel Negatives dazu in den Medien hört.
  3. Wie sind und waren die Reaktionen deines Umfelds auf diese Ernährungsweise? Falls du Kritik erhältst, wie gehst du damit um?
    Einige fanden es gut, dass ich mich vegan ernähre, meinten aber, sie könnten es nicht. Andere, wie mein Mann, finden es extrem. Mein Mann zeigt mir immer wieder Artikel, in denen steht, dass man sein Kind gefährde, wenn man vegan schwanger ist oder stillt. Ich versuche Kritikern immer wieder zu erklären, dass man sich nur genau mit der Ernährung befassen muss und das dann unproblematisch ist.
  4. War es schwer für dich vegan-freundliche Ärzte und Hebammen zu finden?
    Ich habe nicht gezielt nach veganfreundlichen Ärzten oder Hebammen gesucht. Ich hatte schon von den vorherigen Kindern eine Hebamme und eine Frauenärztin.
  5. Wie war bzw. sind die Reaktionen der Ärzte auf deine Ernährungsweise?
    Meine Frauenärztin hatte keine Bedenken. Sie meinte, ich wüsste schon, was ich tue und sie wäre sich sicher, dass ich gut auf meine Ernährung achte. Mein Hausarzt meinte, die Ernährung wäre nicht gesund.
  6. Hattest du während der Schwangerschaft Gelüste auf tierische Produkte? Falls ja, wie hast du das für dich interpretiert und was hast du dagegen unternommen?
    Ich hatte keine speziellen Gelüste, aber ich konnte Nüsse kaum herunter bekommen. Da sie sonst täglich auf meinem Speiseplan stehen, war das schwierig und ich war unsicher, was meinen Bedarf an Fettsäuren anging.
  7. Besonders in der Schwangerschaft müssen Frauen darauf achten, die richtigen Nährstoffe zu sich zu nehmen. Viele supplementieren daher Schwangerschaftspräparate. Hast du diese genommen und worauf hast du noch besonders geachtet bzw. achtest du?
    Ich habe ein Kombipräparat für Schwangere, sowie Vit. B12 eingenommen. Und ab und zu vegane Omega-3-6 Tabletten.
  8. Hast bzw. Hattest du generell das Gefühl, dass dir was fehlt?
    In der Schwangerschaft hatte ich nicht das Gefühl, dass mir was fehlt.
  9. Lebt dein Partner auch vegan? Falls nicht, wie reagierte er auf deinen Entschluss, den Veganismus auch in der Schwangerschaft fortzuführen.
    Mein Partner lebt nicht vegan und fand es nicht gut, dass ich mich weiter vegan ernährte. Er hat es aber akzeptiert.
  10. Gab es Schwierigkeiten während der Schwangerschaft, weil du dich vegan ernährst?
    Es gab keine Schwierigkeiten in der Schwangerschaft.
  11. Was ist dein Tipp an vegan lebende Schwangere? Auf was sollen sie besonders achten?
    Ich habe keine besonderen Tipps. Meine vegane Schwangerschaft war nicht anders, als die vegetarischen Schwangerschaften. Ausgewogen und reichhaltig essen ist ja immer wichtig.
  12. Was ist dein Rat an vegan lebende Schwangere, wenn das Umfeld ständig Diskussionen beginnt und Kritik äußert?
    Man kann nicht viel machen, um Kritiker zu überzeugen. Mein Tipp ist, sich gar nicht erst auf Diskussionen einzulassen bzw. klar zu machen, dass man bei dem Thema bedeutend informierter ist, als der Rest und die Diskussion damit beendet ist.interview-vegane-schwangerschaft-2
  13. Falls dein Kind schon auf der Welt ist: Hattest du nach der Geburt Schwierigkeiten einen vegan-freundlichen Kinderarzt zu finden? Wie waren die Reaktionen und wie bist du damit umgegangen?
    Unser Kinderarzt weiß nichts von meiner veganen Ernährung. Seine Reaktion wäre wohl negativ. Aber da mein Kind gesund und munter ist, sehe ich keinen Bedarf das anzusprechen.
  14. Wirst du dein Kind weiterhin vegan ernähren?
    Ich ernähre mein Kind seit Beikosteinführung nicht mehr vegan, da der Vater absolut dagegen ist.
  15. Wie sind deine Erfahrungen mit deinem Umfeld auf deine Entscheidung dein Kind vegan zu ernähren?
    Die Reaktionen waren immer eindeutig. Jeder hieß es gut, dass mein Kind ’normal‘ ernährt wird und nicht vegan.
  16. Kannst du Vergleiche ziehen, indem du schon einmal eine unvegane Schwangerschaft vollzogen hast?
    Meine veganen und vegetarischen Schwangerschaften waren sehr ähnlich. In der veganen Schwangerschaft war nur die Übelkeit etwas stärker ausgeprägt.
  17. Jede Schwangerschaft ist anders. Somit hat auch jede Frau mit unterschiedlichen Beschwerden zu kämpfen. Welche traten bei dir auf und was hast du dagegen getan?
    Ich hatte in der veganen Schwangerschaft immer mal wieder mit Übelkeit zu kämpfen. Kleine Portionen zu essen half dann. Besonders wichtig war es gleich morgens zu essen.
  18. Möchtest du den Lesern noch etwas mitteilen? Dann lass deinen Gedanken freien Lauf.
    Eine vegane Schwangerschaft ist nicht anders als eine ‚Normale‘. Wichtig ist, sich gut zu ernähren, aber das ist es auch für normale Esserinnen. Mein veganes Baby ist übrigens mein Größtes und Schwerstes und entwicklungstechnisch ist sie genauso topfit wie ihre Schwestern.

Liebe Annika, ich danke dir für deine Teilnahme am Interview! Alles Liebe für dich und deine Familie! 

Hintergrundinformationen zur Interviewreihe gibt es im folgenden Artikel, dort erfährst du auch, wie du teilnehmen kannst, falls du ebenfalls schwanger bist oder Mutter und zudem vegan lebst. Ich freue mich auf euer Feedback und auf weitere Teilnehmerinnen! Lasst uns gemeinsam zeigen, dass vegan tatsächlich ohne Probleme in jeder Lebensphase möglich ist, so lange man sich ausgewogen und bewusst ernährt. 🙂

 

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Über V Change Makers

V Change Makers (VCM) ist eine Initiative, die mit Leichtigkeit aufzeigt, dass vegan leben keinen Verzicht bedeutet. VCM liefert praktische Alltagstipps, wertvolle Produktempfehlungen und zeigt einfache Lösungen auf, wie man den Veganismus ohne Probleme in den Alltag integriert. Geführt wird VCM von Jessica Aschhoff (geborene Schlechter). Die 33-jährige ist seit Jahren in der veganen Szene aktiv und leistet Aufklärungsarbeit. Ihr Ziel ist es, den Veganismus gesellschaftsfähig zu machen. Modern, zeitgemäß und aufgeschlossen.